3. April 2014 | Posted in:Blog

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95 Thesen für die Neuzeit

Im Jahr 1999, also vor 15 Jahren setzten sich die vier Programmatiker Rick Levine, Christopher Locke, Doc Searls und David Weinberger zusammen und entwarfen 95 Thesen, die das Content-Martketing also das zukünftige Verhältnis zwischen Kunden und Unternehmen in den Zeiten des Internets beschrieben. Einige dieser Thesen haben sich als geradezu prophetisch erwiesen, während andere noch nicht ganz real geworden sind. Die Idee zu den 95 Thesen lehnten die vier Urheber ganz bewusst an die Wittenberger Thesen des Reformators Martin Luther an. Auch sie wollten mit ihren Thesen ein Umdenken und eine Zeitenwende einläuten, was ihnen in meinen Augen auch gelungen ist. Sie nannten ihr Werk das Cluetrain Manifest, welches ihr hier im Original und hier als deutsche Übersetzung findet.

Im ersten Moment lehne ich mich zurück und denke an mein Internet 1999 zurück. Das war ein US-Robotics 14,4k – Modem, welches sich mit unvergesslichen Pieptönen einwählte. Das waren statische Seiten, bei denen ein „Kontakt-Button“ das Höchste der Gefühle in Sachen Interaktivität war und dann war da noch die erste eigene, mit Frontpage gebaute und unter Mühen ins Netz gestellte Homepage, an die ich mich Heute nur noch mit Grausen erinnere. Der Internetanschluss wurde zu horrenden Preisen im Minutentakt abgerechnet und sorgte für spontane Herzattacken am Monatsende.

Gerade ob dieser Rückerinnerung finde ich es sehr erstaunlich und beinahe unglaublich, wie genau diese aus der Internet – Steinzeit stammenden Thesen ziemlich zutreffend den aktuellen Stand der Entwicklung skizzieren. In den nächsten Tagen, Wochen oder anderen irrelevanten Zeitabschnitten werde ich euch immer wieder mit einer ausführlichen oder auch kurzen und nicht so ausführlichen Erläuterung diverser Thesen heimsuchen. Beginnen möchte ich heute aber mit der Einleitung, die von Vielen vergessen, den eigentlichen Grundstein des Manifests darstellt und die Kernbotschaft transportiert:

Wenn Du heute nur Zeit hast für eine Einsicht, dann sollte es diese sein …
Wir sind keine Zuschauer oder Empfänger oder Endverbraucher oder Konsumenten.
Wir sind Menschen – und unser Einfluß entzieht sich eurem Zugriff.
Kommt damit klar.

Wer als Community-, Content- , Social Media Manager oder auch als Redakteur (der im heutigen Web auch Leserkontakte haben soll und muss) tätig ist, sollte sich diesen Satz an die innere Stirn nageln. Wir kommunizieren nicht mit Konsumenten, Zielgruppen, Einheiten oder Fallzahlen. Unser Gegenüber sind Menschen die manchmal zwar rational aber meistens typisch menschlich reagieren. Sie sind keine Maschinen deren Bedürfnisse wir mit standardisierten Vorgehensweisen oder mit platter Werbung wecken oder befriedigen können. Sie reagieren fast nie wunschgemäß und man muss ihnen genau zuhören um Bedürfnisse und Wünsche kennenzulernen und das eigene Vorgehen darauf abzustimmen. Nicht zuletzt sollten sich heute die letzten Werbetreibenden von alten Paradigmen verabschieden. Die von Edward Bernays verkündete Botschaft „Werbebotschaft aussenden = Bedürfniss wecken“ funktioniert im Internetzeitalter nicht mehr.

Eebenso ist die noch immer von einigen Unternehmen in Richtung Netz geführte eingleisige Kommunikation am Ende. Ob die Firmen es wollen oder nicht, sie müssen lernen zuzuhören. Denn die Antwort kommt und sie steht für jeden frei und unbeschränkt lesbar im Internet bereit UND die Menschen werden eher dieser Antwort glauben als all dem was das Unternehmen veröffentlicht. Schlußendlich müssen sich die Unternehmen überall auf der Welt aber vor allem in Deutschland noch mehr auf einen guten Kundenservice konzentrieren und soweit sie es nicht tun, Menschen als Menschen behandeln.

3 Comments

  1. Blick auf das Cluetrain Manifest 2014 – Teil II - […] in meinem letzten Artikel zum Cluetrain Manifest versprochen suche ich euch mit kleinen oder nicht ganz so kleinen […]
  2. Das Cluetrain Manifest – These 19 - […] dem Blick auf die Einleitung und der Beschreibung der These 12 folgt heute mein dritter Beitrag zum Cluetrain Manifest.…
  3. Der Markt informiert sich selbst - […] zu meinem fünften Artikel über das Cluetrain Manifest. Die heutige These zeigt auf, wie sehr die Menschen in den…

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