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2. Mai 2014 | Posted in:Blog, Bücher

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Unter dem Titel “Taschenbuch oder eBook, Zeitung oder Online-Ausgabe – was liest du lieber?” hat die leidenschaftliche Bloggerin Ann-Bettina Schmitz eine Blogparade gestartet. Das ist natürlich ein Thema, welches für mich als bekennenden Digital Native sehr reizvoll ist. Klar erinnere ich mich an Bücher aus Papier, an Schokoflecken als Lesezeichen und das nächtliche Schmökern mit Taschenlampe und den morgendlichen “Origami-Spaß” mit der Tageszeitung. Aber war das alles so toll, dass ich es weiterhin haben muss und haben will? Ist das Lesen auf dem Smartphone, Tablet oder PC nicht wesentlich ressourcenschonender und bequemer?

Erstmal zurücklehnen und nachdenklich auf den Bildschirm starren… Ich widerstehe der Versuchung andere Meinungen zu googeln… Auch so eine Krankheit des vernetzten Zeitalters. Ich denke an unser Wohnzimmer und ja da stehen sie noch im Regal. In Kartonage eingefasste, aneinandergeklebte und bedruckte Pflanzenfasermatten… Ich öffne im Gedanken die Glastüren und ja jetzt habe ich auch diesen typischen Geruch in der Nase. Ein Aroma von Abenteuer, langen Reisen, Geheimnissen, Verrat und vergangenen Jahren. Bücher! Ja genau das war das Wort für diese Gegenstände. Ich denke nach wann ich zuletzt ein echtes Buch in der Hand hatte…

Viel Zeit brauche ich dazu nicht, denn es war erst gestern Abend. Eigentlich lese ich jeden Abend vor dem Einschlafen noch in einem meiner Bücher. Auf dem Bauch liegend, einen schlafenden Kater auf dem Rücken und mit Gummibärchen bewaffnet, tauche ich dann in die Welten von J.R.R. Tolkien, Terry Pratchett und vielen anderen Autoren ein. Es sei mir vergönnt, dass ich hier nur meine beiden absoluten Lieblingsautoren erwähne. Aber auch der Rest darf sich selbstverständlich herzlichst gedrückt und vereehrt fühlen. Viele Bücher habe ich schon mehrfach gelesen und vor allem meine Favoriten könnte ich beinahe schon als Hörbücher rezitieren. Sie sind wie ein guter alter Freund, den man immer wieder gerne dazu einlädt, am heimischen Kamin Platz zu nehmen. Dort sitzt man dann und lauscht versonnen den alten Geschichten des Freundes, die man schon hundertmal hörte, die aber immer wieder diese herrlichen Bilder von weiten Feldern, Lachen, Apfelbäumen und einem Sommer der nie endet, im eigenen Kopf erscheinen lassen.

Natürlich lese ich auch eBooks. Dann zumeist Sachbücher, denn da offenbart sich der Vorteil der vernetzten digitalen Technik. In meinen Augen ist es das Zusammenspiel der verschiedenen Medien und Quellen. Wörter oder Passagen die einer genaueren Erklärung bedürfen sind mit Klarstellungen oder weiterführenden Verlinkungen bestückt. Interaktive Inhalte, Video- oder Audio-Dateien vervollständigen das Informationspaket und machen es mir, dem Leser leicht wie noch nie, neue Informationen aufzunehmen und entsprechend auszuwerten. Noch niemals war es des Weiteren möglich, so schnell überholte Erkenntnisse oder falsche Informationen abzuändern.

Ist ein Buch gedruckt, hilft kein Betteln und kein Flehen. Die Buchstaben werden sich nicht ändern und erst der Kauf einer korrigierten Neuauflage kann ein bestehendes Aktualitäts- oder Fehler-Problem aus der Welt schaffen. Bei einem eBook ist die Korrektur, zumindest theoretisch nur eine Angelegenheit weniger Sekunden. Ich sage hier theoretisch, weil diese Möglichkeit bei vielen Verlagen noch nicht richtig angekommen ist und sie eBooks so behandeln, als müssten sie die digitalen Inhalte mit Guttenbergs alter Presse neu setzen.

Bin ich unterwegs, so haben elektronische Medien und die eBooks das Papier schon fast vollständig verdrängt. Ein Kugelschreiber mit beinahe unleserlicher Aufschrift und ein gänzlich ungenutztes Notizbuch sind lediglich meine Reminiszenzen an frühere, smartphonlose Tage und werden für den Notfall spontan eintretender Stromlosigkeit oder den Eintritt anderer apokalyptischer Ereignisse wie zum Beispiel Sintfluten, Meteoritenschauer und Froschregen mitgeführt. Es ist schlicht und einfach um ein Vielfaches praktischer und bequemer im Zug oder Bus das Smartphone aus der Tasche zu ziehen, als bei dem Versuch während der Fahrt den neuen 1.500-Seiten Wälzer aus dem Koffer zu zerren, verzweifelt an einen Haltegriff geklammert, Nahtoderfahrungen zu sammeln.

Auch im Bereich der Informationsgewinnung hat das Papier bei mir schon seit vielen Jahren das Nachsehen. Ich bekomme die Informationen online einfach schneller, kann verschiedene Quellen recherchieren und mache mich nicht von einer, (eventuell) aus einer politischen Interessenslage heraus entstandenen Meinungsmache, abhängig. Auch der ökologischen Aspekt bekommt Gewicht, wenn ich mir überlege, wie viel Papiermüll sich früher innerhalb von nur einer Woche, dank der sieben Tageszeitungen ansammelte.

Trotz all diesen Argumenten fällt mein Fazit nicht nur pro eBook aus. Ich liebe nun einmal meine echten Bücher. Ich liebe es darin zu blättern und zu schmökern. Ich liebe den Geruch nach altem Papier und ich liebe Bibliotheken (wer ebenfalls die Bibliothek des Trinity College in Dublin besucht hat, wird dies leicht nachvollziehen können).

Aber das alles dient meinem Herzen. Hier hat das bedruckte Buch seinen festen Platz und wird ihn auch weiter haben.

11 Comments

  1. Ann-Bettina
    2. Mai 2014

    Leave a Reply

    Hallo,
    in vielen Aspekten stimme ich dir zu: Das Genuss-Lesen ist den Papier-Büchern vorbehalten, zur reinen Informationsbeschaffung sind digitale Medien besser geeignet. Allerdings möchte ich die Lektüre der “Zeit” als Papierausgabe morgens beim Frühstück nicht missen. Am frühen Morgen schon auf einen Bildschirm zu starren, geht mir echt zu weit.
    Viele Grüße
    Ann-Bettina

  2. heuermeuer

    heuermeuer
    2. Mai 2014

    Leave a Reply

    Meine Partnerin findet es schön, dass ich nicht mehr hinter einer Papierwand stecke :)

  3. Luna
    2. Mai 2014

    Leave a Reply

    Klasse und amüsant geschrieben … Hut ab :-)

    Gruß
    Luna

  4. heuermeuer

    heuermeuer
    2. Mai 2014

    Leave a Reply

    Dankeschön :) Bin gerade dabei deine Veröffentlichung auf Amazon.de genauer anzuschauen. Das verspricht interessanten Lesestoff :)

  5. Claudia Dieterle
    5. Mai 2014

    Leave a Reply

    Stimme Luna zu, ist sehr amüsant geschrieben, hat Spaß gemacht, den Beitrag zu lesen.
    Ich lese gerne Krimis und Romane, aber in Papierform. Bei Kindern finde ich es auch schöner, ein richtiges Buch in der Hand zu haben.
    Wenn es um Sachbücher geht, ziehe ich es allerdings vor, mir kein Buch zu kaufen, sondern im Internet zu recherchieren. Dort ist es einfach aktueller und Fehler sind schneller korrigiert als in einem Buch.
    Viele Grüße
    Claudia

    • heuermeuer

      heuermeuer
      6. Mai 2014

      Leave a Reply

      Danke für das Lob :) Der Punkt mit der schnellen Korrektur trifft aber nur auf veröffentlichte Artikel zu. Bei eBooks musste ich bisher eher die gegenteilige Erfahrung machen. :)


  6. 8. Mai 2014

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    “ich wiederstehe dem Versuch die Meinung zu Google”
    Großen ablaus für diesen Satz! Dein Artikel hat mir beim lesen echt spaß gemacht!
    Ich habe auch an der ABS-Lese-Ecke Blockparade teilgenommen und wollte nur mal einen Gruß dalassen.
    Die Vorteile der eBooks sehe ich genau wie du. Ein Umzug mit einem eBookreader anstelle von Buchkartons ist sicherliche leichter, schneller udn angenehmer. Die haptische freude an einigen Büchern habe ich (und ich denke so ziemlich jeder der hier mitgespielt hat) auch.
    Fragt sich nur ob sich diese 1 zu 1 auf die Genaration eBook übertragen wird.

    • heuermeuer

      heuermeuer
      8. Mai 2014

      Leave a Reply

      Hallo schwartz,
      vielen Dank für deinen Gruß und dein Lob. Da ich sehr neugierig bin, werde ich mich mal umgehend auf deinen Beitrag zur Parade stürzen :)

  7. Nicole
    17. Mai 2014

    Leave a Reply

    Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen: du schreibst super, macht Spaß, deine Texte zu lesen. Ich habe auch schon deinen Beitrag zum Blogstöckchen gelesen und verfahre auch da ähnlich. Mit anderen Worten: Ich habe mich ein bisschen quer umhergelesen und komme sicher wieder!

    • heuermeuer

      heuermeuer
      18. Mai 2014

      Leave a Reply

      Danke :) habe mich gerade ausgiebig durch deinen Blog gelesen und kann das Kompliment nur zurückgeben. Auch ich werden deinen Blog jetzt regelmäßig “heimsuchen” :D

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