23. April 2014 | Posted in:Bücher

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PriseTerry Pratchett ist zusammen mit dem unvergessenen Douglas Adams unbestritten der Göttervater der humoristischen Fantasy. Gleich Zeus sitzt er bisweilen nachdenklich auf seinem Thron und lässt uns dankenswerterweise keine Blitze sondern immer wieder neue Geschichten aus der herrlich absurden aber oft auch auf wundersame Weise realen Scheibenwelt zukommen. In dieser Rezension möchte ich mich mit der deutschen Übersetzung des zuletzt erschienen Buches Steife Prise (Snuff) beschäftigen und jedem von euch, der diese Art von Büchern mag, einen kleinen Abriss über den Plot geben.

Wo ein Polizist ist, gibt es auch ein Verbrechen. Diesem Umstand verdankt der unfreiwillige Herzog und leidenschaftliche Kommandeur der Wache Sam Mumm einen Großteil seiner aufregenden Abenteuer. Doch dieses mal meinen es Lord Vetinari und Herzogin Sybil ernst. Sie verdonnern Sam zu einem Urlaub auf dem familieneigenen Landsitz. Einem Ort der für Ruhe und Frieden bekannt ist… zumindest bis Samuel Mumm dort eintrifft.

Einmal mehr handelt es sich hier um einen Scheibenweltroman über die wiederauferstandene Wache von Ankh Morpork, also über die Männer (und Frauen) die in einem typischen Mantel- und Degenfilm tapfer in den Raum stürmen um Minuten später von Zierschwertern erstochen am Boden zu liegen. In Terry Pratchetts Büchern dürfen sie endlich zurückschlagen und das tun sie mit Humor, Finesse und einer ordentlichen Portion Gemeinheit. Alte Scheibenwelt-Hasen müssen sich nach den Unsichtbaren Gelehrten erneut mit dem neuen Übersetzer Gerald Jung anfreunden, dessen Stil sich grundlegend von dem bisherigen Übersetzer Andreas Brandhorst unterscheidet. Meiner Meinung nach ist Jung nach seiner vermasselten Erstübersetzung aber auf einem guten Weg, was man auch an den sich die Waage haltenden Zustimmern und Ablehnern in diversen Fanforen oder Bewertungsplattformen ablesen kann.

Neue Leser und damit Terry Pratchett Erstleser haben hier natürlich weniger Probleme aber dafür allerdings mächtige Einstiegs- oder eher Einleseprobleme in die inzwischen schon recht komplex gewordene Schweibenwelt. Hilfreich sind hier die Vorgänger-Romane „Wachen, Wachen“, „Helle Barden“ und“Klonk“, die im übrigen ebenfalls lesenswert sind und Meiner Meinung nach zu dem Besten gehören was aus Terry Pratchetts Feder floss.

Nicht zu übersehen ist aber auch, dass sich auch der Schreibstil Pratchetts geändert hat. Natürlich gibt es ihn noch immer, diesen herrlichen Scheibenwelt-Humor, der schon ganze Generationen von Fantasy-Fans in seinen Bann gezogen hat. Dazu kommt jetzt aber immer wieder eine düstere Ernsthaftigkeit, die vor allem für Leser der ersten Stunde ungewohnt und bisweilen erschreckend ist. In Steife Prise verpackt Pratchett den Sklavenhandel, Rassismus in seiner widerlichsten Form und schmutzige Politik in der einst so heilen Fantasywelt. Wer sich darauf einlässt, erlebt sozusagen eine wilde, spannende und abwechslungsreiche Bulldozerfahrt durchs Regenbogen-Pony-Blümchen-Land.

1 Comment

  1. Liebster Award – Aber ja gerne :) - […] letztes Buch war “Steife Prise” von Therry […]

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